07.11.2025

Eine Linie, die uns begleitet

Mariam und Moritz kommen vom Niederrhein, sind Absolventen der Hochschule Rhein-Waal und stecken hinter dem Erscheinungsbild der Landesgartenschau Kleve 2029.

Im Interview – Mariam Hachem (23), Gestalterin des Erscheinungsbilds der Landesgartenschau Kleve 2029 (Corporate Identity), und Moritz Kleinsorge (35), ihr Kollege in Sachen Schriftdesign

 

Vorstellung Mariam Hachem

*11.09.2002 in Moers am Niederrhein
Freiberufliche Kommunikationsdesignerin 
Bachelor of Arts, Informations- und Kommunikationsdesign
Staatlich geprüfte Gestaltungstechnische Assistentin (GTA)
"Ein gutes Design ist … mehr als eine ästhetische Form. Es ist ein durchdachtes Konzept, das wirkt, bewegt und im besten Fall in Erinnerung bleibt."

Vorstellung Moritz Kleinsorge

*15.02.1990 in Kempen am Niederrhein
Selbstständiger Schriftdesigner
Bachelor of Arts, Informations- und Kommunikationsdesign
Master Kommunikationsdesign 
Postgraduierten Diplom Expert Class Type Design
"Ein gutes Design ist … einfach, aber nie banal."

 

Erzählt doch mal kurz: Wer seid ihr und wie würdet ihr euren Job jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat? 

 

Mariam: Ich bin Mariam und habe vor kurzem mein Studium im Bereich Informations- und Kommunikationsdesign abgeschlossen. Als Kommunikations-designerin gestalte ich Informationen, Botschaften und Inhalte so, dass sie klar, verständlich und ansprechend vermittelt werden.  Ziel ist, dass Betrachter z.B. Printprodukte wie Plakate und Broschüren oder digitale Anwendungen gerne wahrnehmen, sich damit beschäftigen und im besten Fall auch interagieren. Design, oder auch Gestaltung, ist etwas, das im Alltag ständig um uns herum wirkt, sei es in Logos oder als Werbung auf der Straße – meist ganz unbewusst. 

 

Moritz: Hi, ich bin Moritz und ich gestalte und entwickle neue Schriften. Die Grundformen der Buchstaben sind zwar festgelegt, zum Beispiel besteht das große A aus drei Strichen: zwei Diagonalen, die sich oben im Scheitel treffen, und einem horizontalen Querstrich. Doch innerhalb dieser Vorgaben habe ich viel Spielraum. Ich kann etwa die Strichstärke variieren, die Breite verändern, den Querstrich höher oder tiefer setzen, den Scheitel enger oder weiter gestalten, Serifen hinzufügen oder weglassen, und noch viel mehr. All diese Parameter übertrage ich dann auf die übrigen Buchstaben, Zahlen und Zeichen und so entsteht eine ganz neue Schrift.

 

Mariam, du hast die Corporate Identity im Rahmen eines Wettbewerbs im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule Rhein-Waal entwickelt. Das war im Wintersemester 2024/25 und in deinem letzten Studienjahr. Wie bist du an so ein großes Projekt herangetreten?

 

Mariam: Ich selbst komme ja nicht aus Kleve und habe mein Studium am Zweitstandort Kamp-Lintfort der Hochschule Rhein-Waal absolviert. Vorher hatte ich eher ein Bild von Kleve mit viel Grün, Feldern und vielleicht der ein oder anderen Kuh auf der Weide im Kopf. Gerade diese Unwissenheit hat mich neugierig gemacht, ein Gesicht für das bevorstehende Event zu entwickeln. Mit Unterstützung meiner Professoren habe ich mich intensiv mit der Stadt beschäftigt, sie vor Ort erkundet und die Bewerbungsbroschüre der Stadt Kleve für die Landesgartenschau analysiert, um ein Gefühl für ihre Identität zu bekommen. Ganz ehrlich – ich war ziemlich überrascht, wie viel Kleve zu bieten hat! Der Prozess war toll, weil ich die Stadt von Grund auf neu kennenlernen und direkt die Perspektive eines Besuchers einnehmen konnte.

 

Was ist der Kern der von dir entwickelten Visualität? Kannst du uns die Idee dahinter erklären?

 

Mariam: Die Idee des Konzepts ist eigentlich recht simpel: Kleve hat viele besondere Orte, die im Rahmen der Gartenschau neue Aufmerksamkeit bekommen sollen.  Damit Besucher und Bewohner diese Orte als Einheit erleben können, braucht es eine Leitlinie - ein gemeinsames Band. Inspiration dafür war der Spoykanal – er zieht sich wie ein blauer Faden durch die Stadt, bringt Orte zusammen und verbindet Stadt und Land mit dem Wasser. 

 

Wann und wie wurdest du, Moritz, in das Konzept von Mariam involviert?

 

Moritz: Mich erreichte eine Anfrage von Mariam Anfang 2025. Auf meiner Website steht, dass Studierende mich gerne kontaktieren dürfen, wenn sie meine Schriften für ihre Projekte nutzen möchten. Genau das hat Mariam getan, und so habe ich zum ersten Mal von ihrem Projekt erfahren. Später sah ich auf Instagram, dass sie mit ihrer Arbeit den Wettbewerb gewonnen hatte. Ich selbst war also nicht wirklich involviert – der ganze Ruhm gebührt allein Mariam.

 

Das „Logo“ – also die Wort-Bildmarke – ist vielen schon vertraut, aber das Gestaltungskonzept ist viel umfangreicher. Was gehört denn alles dazu und wie funktioniert das Zusammenspiel der Elemente?

 

Mariam: Das simple Logo wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie eine schnelle Kritzelei. Doch gerade hinter einem simplen Design steckt ein aufwendiger Prozess. Das Logo ist nur ein Teil der Identität. Ergänzt wird es durch ein rund 30-teiliges Icon-System, das auf dem „Eine-Linie“-Konzept basiert und verschiedene Orte und Aktivitäten in Kleve zeigt. Zusammen mit einer durchdachten Farbpalette und einer festgelegten Hausschrift vervollständigt es die visuelle Identität. Alle Elemente ermöglichen eine flexible Anwendung und können über verschiedenste Medien hinweg langfristig eingesetzt werden. 

 

Welche Rolle spielt die Schrift für den Charakter des Gesamtauftritts?

 

Mariam: Die Schrift ist ein wichtiger Bestandteil der visuellen Identität. Sie vermittelt Informationen über Worte und begleitet die Icons, ohne sich aufzudrängen. Wichtig war mir, dass sie weich und schlicht, aber dennoch standhaft ist. Die Schrift ‚Flink Neue‘ von Moritz eignet sich dafür besonders gut – elegant, simpel und dennoch präsent.

 

Moritz: Jede Schrift besitzt zwei Ebenen: Die verbale und die visuelle. Im Corporate Design der Landesgartenschau liegt der Schwerpunkt eher auf der verbalen Ebene. Die Schrift dient hier vor allem der Informationsübertragung, damit sie nicht von den Icons ablenkt. Gleichzeitig harmoniert ihr Erscheinungsbild mit den Icons durch eine einheitliche Strichstärke, sodass Schrift und Icons zu einer stimmigen Einheit verschmelzen.

 

Moritz, gibt es in der Schrift kleine versteckte Details, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick entdeckt?

 

Moritz: Jein. Flink Neue ist eigentlich so gestaltet, dass es keine Details auf den zweiten Blick gibt. Als geometrische Schrift mit dem Fokus auf „weniger ist mehr“, wären versteckte Details nicht in meinem Sinne. Aber es gibt viele alternative Buchstabenformen, die je nach Wunsch eingesetzt werden können. Als Beispiel: Im Logo der Landesgartenschau hat Mariam das alternative „l“ mit Auslauf gewählt. Das Standard-„l“ kommt aber ohne Auslauf daher. Und solche Details kann man auf den zweiten Blick dann doch entdecken.

 

Welche anderen Kriterien sind relevant für den gelungenen visuellen Gesamtauftritt?

 

Mariam: Neben Logo, Icons, Farben und Schrift ist auch die Atmosphäre wichtig. Das Erscheinungsbild soll nicht nur gut aussehen, sondern ein Gefühl vermitteln, das zu Stadt und Event passt. Gleichzeitig muss es praktisch sein, also Infos klar und verständlich rüberbringen. So finden sich Besucher schnell zurecht und können sich an wiederkehrenden Gestaltungselementen orientieren.

 

Wie würdet ihr das Erscheinungsbild in drei Worten beschreiben?

 

Mariam: farbenfroh, lebendig und wandlungsfähig

Moritz: spannend, modern, wiedererkennbar

 

Als ehemalige Studierende der Hochschule Rhein Waal und echte Niederrheiner mit Wohnort in Moers bzw. Kempen – worauf freut ihr euch am meisten mit Blick auf die Landesgartenschau in eurer Heimatregion?

 

Mariam: Ich finde, dass der Niederrhein viele besondere Orte und eine wunderschöne Natur hat, die oft unterschätzt wird. Ich freue mich darauf, zu sehen, wie die Menschen den Niederrhein entdecken und wie mein Gestaltungskonzept ihnen hilft, die Stadt und die Natur als ein zusammenhängendes Erlebnis wahrzunehmen. 

 

Moritz: Viele Landesgartenschauen setzen auf nachhaltige Konzepte und innovative Gestaltungsideen. Für uns wird es spannend zu sehen sein, was in Kleve umgesetzt wird, um die Stadt aufzuwerten. Vielleicht gibt die LAGA unseren Heimatstädten eine Inspiration und die gesamte Region wird so attraktiver und noch lebenswerter.

 

Worauf werdet ihr besonders achten, wenn ihr das Gelände besucht?

 

Mariam: Zusätzlich zu den eigentlichen Attraktionen und einem hoffentlich gut besuchten Gelände wird mein Blick als Designerin automatisch auf die Umsetzung der Gestaltung fallen. Zu sehen, wie alles zusammenwirkt - wie Besucher reagieren und wie Menschen mit dem Design interagieren. Vielleicht bekomme ich ja das ein oder andere Gespräch über die Bedeutung eines Icons mit – darauf freue ich mich besonders.

 

Moritz: Als Designer kann man gar nicht anders, als sich auch all das anzusehen, was nur am Rande mit der Landesgartenschau zu tun hat. Während die meisten Besucher ihren Fokus auf die Pflanzen richten, werden meine Augen wohl eher an Plakaten und Schildern hängen bleiben, bis meine Freundin irgendwann sagt: „So eine Pflanze würde bei uns im Garten auch gut aussehen.“

 

Wir freuen uns in jedem Fall auf euren Besuch! Vielen Dank für eure tolle Unterstützung!

Landesgartenschau Kleve 2029 gGmbH

Rathaus Kleve
Minoritenplatz 1
47533 Kleve

Tel.: 02821 84-521

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